Erwin Einzinger, Von Dschalalabad nach Bad Schallerbach

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Karl-Markus Gauß hat in der "Süddeutschen Zeitung" diesen Roman als "Kompendium des herrlich nutzlosen Wissens" bezeichnet, doch ist nicht unendlich viel Tun und Machen und Sein in der heutigen Welt nutzlos, wieviele Bücher über Nutz- und Sinnloses erscheinen? Dschalalabad ist eine afghanische Grenzstadt und Bad Schallerbach ein kleiner Kurort in Oberösterreich. Dazwischen mag viel Welt liegen, die Metropolen, aus denen wir mit Informationen zugeschüttet werden, die nur zu häufig nutz- und sinnlos sind. Erwin Einzinger läßt seine beiden Helden durch die Provinz irren, die ebenso voll ist mit Geschichten, Begebenheiten wie die vielbeachteten Zentren, in denen unzählige Menschen leben, die womöglich ebenso beachtenswert sind wie die Stars auf den Parcours der Weltstädte, und Kneipen gibt es dort ... Zum Beispiel die Fliegerkneipe in Rostocks Kröpeliner Tor Vorstadt - nein, sie liegt nicht im Hansaviertel, wie dem Autor versehentlich unterkommt -, in der ich selbst noch nie gewesen bin, obwohl sie gerade einmal hundert Meter von unserer Buchhandlung entfernt liegt, aber die ich mir jetzt einmal anschauen muss. Der Wirt weiß wohl noch gar nicht, dass seine Kneipe literarisch international (Der Verlag ist ein österreichischer!) verewigt worden ist. Und mich selbst verewigt er offenkundig auch erstmals in einem Roman. Fiktional verfremdet als "Bauer Keiper" aus Ribnitz-Damgarten, bin ich dem Autor auch nur diesen einen Satz wert, was ich außerordentlich bedaure, würde ich doch gerne erfahren, wie skurril mich Einzinger zu gestalten bereit wäre.
In gut 150 Kapiteln holt der Autor so die Unbeachteten und das Unbeachtete in den Fokus des Lesers. Was ist das für ein Roman? Beim Film würden wir das als "Roadmovie" bezeichnen, aber "Roadnovel" habe es noch nicht in der Literaturwissenschaft kategorisiert gesehen. Der erwähnte Karl-Markus Gauß gesteht Erwin Einzinger zu, "in Österreich den literarischen Pop zu Ehren" gebracht zu haben. Einzinger als Pop-Literat? Gefällt mir auch! Passt auch zu seinem ersten Roman "Aus der Geschichte der Unterhaltungsmusik", den er vor einigen Jahren in der "anderen buchhandlung" vorgestellt hat. "Von Dschalalabad nach Bad Schallerbach" könnte auch als alternative Reiseliteratur durchgehen - eine endlose Ansammlung von Geheimtipps, die zukünftig keine mehr sein werden, sondern sich zu Pilgerstätten von Rucksack- und Bildungstouristen entwickeln, die das äußergewöhnlich Normale oder normale Aßergewöhnliche erleben wollen?
Auf Einzingers "Von Dschalalabad nach Bad Schallerbach" muss man sich einlassen, dann öffnet sich dem Leser ein herrlicher Kosmos. "Die Welt ist ein Dorf" heißt es seit dem Durchbruch des Internets, Erwin Einzinger hat den Roman dazu geschrieben - obwohl er, wenn ich mich recht erinnere, immer noch keinen Internetanschluss hat!
BUCHTIPP von Manfred Keiper

Buchtitel: 
Von Dschalalabad nach Bad Schallerbach
Buchautor: 
Einziger, Erwin
Verlag: 
Jung und Jung
Preis: 
24,00 €
Seitenumfang: 
472 Seiten
Einband: 
Hardcover
Erscheinungsdatum: 
1. Januar 2010