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Kris Magnusson, Da war ich nicht
Dienstag, 16. März 2010 - 20:00
Ein Roman über die Finanzkrise - lachhaft!
Jasper Lüdemann aus Bochum hat es geschafft: Der ehemalige BWL-Student hat sich hochgearbeitet in der alten Chicagoer Bank in den Handelssaal! Hier sitzen die Broker, schieben Milliarden Dollar kreuz und quer durch die Welt, sammeln für Boni, mit denen sie sich schnellstmöglich irgendwo in der Sonne bis ans Ende ihres Lbenes an einer Unzahl Cocktails an Strand- und Poolbars abarbeiten können - wenn sie nicht vorher gefeuert oder infarktet sind. Jasper findet diesen Job geil! Ansonsten kennt er auch niemanden in Chicago, mit dem es geil sein könnte. Die Kollegen? Das sind die anderen Haie im Becken. Tja, auch für Haie kann Beute trügerisch sein.
Plötzlich lernt er Meike kennen. Meike kommt auch aus Deutschland, ist Übersetzerin und hergekommen, weil sich "ihr" Autor versteckt hält, und auch das neue Manuskript, auf das alle warten, die Leser, der Verlag und sie, die unbedingt Geld braucht. Und sie findet den Autor. Doch der verliebt sich in Jasper. Und irgendwie gerät da nicht nur die Finanzwelt durcheinander.
27 Jahre alt war der britische Broker Nick Leeson, als er 1995 mit gigantischen Fehlspekulationen die älteste britische Handelsbank, die Barings Bank, in den Ruin trieb. Was uns damals als Einzel- und Extremfall verkauft worden ist, sehen wir heute - nach dem Finanzkrisenschock von 2008 - als System. Aber keiner will verantwortlich sein, auch wenn er für Verantwortung Millionenhonorare an Boni, Gehälter oder Tantiemen und Gewinne abgeschöpft hat. Was ist das für ein System? Wie funktioniert das? Doch dieses System haben Menschen geschaffen, Menschen betreiben es - der Mensch ist fehlerbehaftet. Kris Magnusson hat es auf wunderbare Weise geschafft, dieses fragwürdige System mit den Menschen nicht nur zu beschreiben, sondern diese Katastrophe verständlich und höchst vergnüglich zu erklären. Nein, es ist kein Sachbuch, kein pädagogisch-sinnvoller Roman über die internationale Finanzwelt und wie man sie überlisten kann. Er hat ein äußerst lustiges, schönes Märchen geschrieben.
Kris Magnusson, 1976 in Hamburg geboren, ist deutsch-isländischer Abstammung. Aisbildung zum Kirschenmusiker, Arbeit für die Obdachlosenhilfe in New York, Studium am Leipziger Literatur-Institut sind einige Stationen seines Lebens. 2005 hat er seinen Erstlingsroman "Zuhause" veröffentlicht und dafür den Rauriser Literaturpreis erhalten. Dieser wird als Theaterstück ab dem 30. April 2010 im Rostocker Volkstheater gespielt.








