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Marcel Beyer liest aus "Kaltenburg"
Freitag, 21. November 2008 - 20:00
1997 hat er den Uwe-Johnson-Preis erhalten (wie 2008 Uwe Tellkamp), nach "Menschenfleisch" und "Flughunde" ist im Frühjahr diesen Jahres sein Roman "Kaltenburg" erschienen, der mit seiner Handlung in Dresden beginnt (ebenso wie Tellkamps "Turm"). Zufällig sind auch noch beide Bücher im Suhrkamp Verlag erschienen. Da war es dann auch mit den Gemeinsamkeiten.
Kaltenburg ist der Name des Protagonisten, hinter demschwerlich die Person Konrad Lorenz zu erkennen ist, jener Verhaltensforscher und Ornithologe, der zwar umstritten war, aber 1973 den Nobelpreis für Medizin erhalten hat. ZumRoman Hubert Spiegel am 12.03.2008 in der FAZ:
Sie teilen außer den Initialen auch Geburts- und Todesjahr, beide begannen ihre Karriere im Nationalsozialismus, bekleideten eine Professur in Königsberg, waren an rassekundlichen Untersuchungen beteiligt und gerieten in russische Kriegsgefangenschaft. Wie Lorenz, dem wegen seiner NS-Vergangenheit die Professur in Österreich verwehrt blieb, geht Kaltenburg nach Deutschland. Aber während Lorenz 1950 im Westfälischen eine eigene Forschungsstelle erhielt, wählte Kaltenburg die DDR. Dort begegnet er auch zwei SS-Offizieren wieder, die er aus seiner Posener Zeit kennt: Es sind Knut Sieverding und Martin Spengler, zwei begabte Studenten von Hermann Funks Vater. Martin, der als Bomberpilot abstürzt und in der eurasischen Steppe von einem Nomadenvolk gerettet wird, erregt später mit seinen Installationen als Künstler im Westen ungeheures Aufsehen, der andere, Knut, wird ein angesehener Tierfilmer. In beiden Figuren sind unschwer Joseph Beuys und Heinz Sielmann zu erkennen, der Beuys 1941 zum Bordfunker ausbildete. Wie tief die Verstrickung von Lorenz in die medizinischen Verbrechen der Nazis damals wirklich war, konnte nie ganz aufgeklärt werden, und auch Beyer lässt offen, ob Kaltenburg an Experimenten mit Menschen beteiligt war.









