Archiv unserer Veranstaltungen
Frauen lesen ander(e)s
Diese Veranstaltung zum Internationalen Frauentag hat bei uns schon Tradition: Engagierte Frauen aus der Rostocker Universität stellen ihre persönlichen Buchtipps vor, teilweise - wie wir jetzt erfahren mussten - werden jetzt sogar selbst geschrieben Bücher vorgestellt.
Die Buchpräsentationen werden musikalisch untermalt von Nadine Scholz.
Joachim Walther, Himmelsbrück
Vor 1989 war er Mitarbeiter der "Temperamente", wohl die Literaturzeitschrift für junge Literatur in der DDR, deren Redaktionen wegen ihres widerspenstigen Kurses immer wieder ausgetauscht wurden. Nach 1989 ist Joachim Walther vor allem durch eine akribische Forschungsarbeit bekanntgeworden: "Sicherungsbereich Literatur" war die Untersuchung über die Verflechtungen der Stasi mit der Literaturszene der DDR. Die Enthüllungen dieser Untersuchung haben Joachim Walther nicht nur Freunde vermacht. Zusammen mit Ines Geipel hat er dann gezielt Bücher herausgebracht, die der Zensur der DDR zum Opfer gefallen waren.
Mit "Himmelsbrück" hat er nun endlich wieder einen eigenen Roman veröffentlicht, der mich persönlich nicht nur durch seine Intensität und Rigidität überrascht hat:
Diese Geschichte beginnt in der Mittsom-mernacht 1980. Matti, Ende dreißig, Unter-grund-Galerist in Berlin, trifft auf Ria, Anfang zwanzig. Die beiden entfliehen dem Prenz-lauer Berg, der bleiernen Zeit der DDR in Berlin, den Tentakeln der Stasi und ziehen auf einen einsamen Hof in Mecklenburg, nach Himmelsbrück. Hier wollen sie selbstbestimmt, selbst-verwirklichend arbeiten, leben und lieben. Doch da ist noch Lilith, Rias Freundin, die dem fast doppelt so alten Matti immer skeptisch gegenüber stand, und Samos, Rias früherer Freund, der große Blonde. Und so bekommt diese Beziehung ebenso Risse wie die DDR um sie herum. Ein eindringlicher Roman über das Leben in den letzten Jahren der DDR.
III. Literatursalon - Die "Gruppe 47": Martin Walser, Templones Ende
Als Erstes: Nein, Martin Walser kommt nicht, über Martin Walser und seine Wirkung in der Gruppe 47 wird im Literatursalon referiert und diskutiert. Martin Walser gehört zu den neuen, jungen Autoren der Bundesrepublik, für den die Gruppe 47 ein Sprungbrett in den Literaturbetrieb wurde. 1951 hatte er in Tübingen über Franz Kafka promoviert, 1953 wurde er von Hans Werner Richter zum ersten Mal zur Gruppe 47 eingeladen, 1955 erhielt er für seine Erzählung "Templones Ende" den Preis der Gruppe.
Eva Menasse, Lässliche Todsünden
Eva Menasse, geboren 1970 in Wien, studierte dort Germanistik und Geschichte, arbeitete zunächst als Journalistin für verschiedene Zeitschriften, schrieb ein Buch über den Prozeß gegen den Holocaust-Leugner David Irving, arbeitete von 2000 bis 2003 als Wiener Feuilleton-Korrespondentin der FAZ, lebt seither als freie Schriftstellerin in Berlin, debütierte 2005 mit dem Roman „Vienna“.
Matthias Politycki, Jenseitsnovelle
Matthias Politycki, geboren 1955 in Karlsruhe, studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in München und Wien, promovierte über Nietzsches Urteile zur deutschen Literatur, seit 1990 freier Schriftsteller, unternahm ausgedehnte Reisen, veröffentlichte mehrere Romane, Erzählungs-, Gedichtbände sowie Essays, positioniert sich „im Schnittpunkt zwischen Moderne und Postmoderne“, lebt in Hamburg und München.
Michael Schmidt, Wie auf See so vor Gericht
Das zweifache Sterben des Marinesoldaten Scheffelmeier - Eine Recherche
Im März 2002 findet auf der Ostsee das Manöver STRONG RESOLVE statt. Beim Übersetzen einer Gruppe Soldaten zwischen zwei Schiffen stürzen bei schwerer See zwei britische und drei deutsche Marinesoldaten ins eiskalte Meer. Doch während drei von ihnen mit dem Schrecken davonkommen, verlieren zwei Deutsche ihr Leben. Warum? Vorwürfe werden laut! Unterlassene Hilfeleistung? Falsche Kleidung? Fehlerhafte Ausrüstung? Wer war schuld am Tod der beiden? Die Fragen beschäftigen nicht nur Kommissionen, auch die Gerichte. Doch die Ergebnisse befriedigen nicht, werfen weitere Fragen auf.
Ein Vater kämpft darum, die Wahrheit zu erfahren - die ganze Wahrheit. Denn kann es sein, dass die Soldaten selbst Schuld gewesen sein sollen? Befehlsemp-fänger? Er kämpft um das Recht, um die Wahrheit, um nicht am Tod des Sohnes selbst zu zerbrechen.
Der NDR-Journalist Michael Schmidt hat auch mehr Fragen als zufriedenstellende Antworten registriert, und sich gefragt, warum ein Vater nicht mit den Antworten von Ämtern, Kommissionen und Gutachtern zufrieden sein kann. Herausgekommen ist ein Bericht, der in der Tat Fragen aufwirft, Fragen, die uns alle angehen in einem Rechtsstaat - und die nach Antworten schreien.
Helmut Krausser, Einsamkeit und Sex und Mitleid
Helmut Krausser, geboren 1964 in Esslingen, studierte Archäologie, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in München, veröffentlichte seit 1989 neben Theaterstücken, Gedichten und Tagebüchern vor allem zahlreiche Romane und Erzählungen, die auf den Spuren großer Mythen um die obsessive Erfahrung von Sexualität und Tod kreisen, lebt in München und
Berlin.
Zum Buch:
Weihnachten in Berlin: ein Callboy verliebt sich in eine Einbrecherin, auf dem Kreuzberg predigt ein Prophet, ein Mord wird bestellt, ein Kind wird entführt, eine Hochzeit improvisiert - Geschichten von einsamen Menschen auf der Suche nach dem Glück, geheimnisvoll miteinander verknüpft zu einer ironischen-bizarren Ballade des Lebens hinter den glänzenden Fassaden.
III. Literatursalon (4) - Die "Gruppe 47"
Ingeborg Bachmann in der Gruppe 47
"... ein schönes Mädchen, flirrend in der Bescheidenheit dessen, der noch nicht sehr lange schreibt, und in der Überzeugung, dass ihre Gedichte das Beste sind, was sie in diesem Augenblick praktizieren kann." (Wolfgang Weyrauch)
Sie kam, las fiel in Ohnmacht ... und wurde mit Texten aus der Gedichtsammlung "Die gestundete Zeit" 1953 Preisträgerin der "Gruppe 47". Lyrik, Prosa und "einige" Einblicke in ihr Leben.
Jürgen Kuttner, Die Geburt des radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers
Jürgen Kuttner erklärt die Welt: Grundsätzliches wie Liebe, Sex, Kampf der Geschlechter, Krieg der Kulturen, Essen oder Autos, aber auch diffizile Probleme wie das Demokratisierungspotential des deutschen Schlagers. Kuttners Kommentare zu Ost und West sind überraschend, lehrreich und große Unterhaltung.
Jürgen Kuttner, Jahrgang 1958, studierte Kulturwissenschaften. Mit seinen «Expertengesprächen » und der legendären Sendung «Sprechfunk» wurde er als Radiomoderator berühmt. Bis April 2008 moderierte er zusammen mit seiner Tochter, der TV-Moderatorin Sarah Kuttner, die Radio-Eins-Show «Kuttner und Kuttner». Eine gemeinsame Veranstaltung von MAU Club Rostock und andere buchhandlung.
Nora Bossong, Webers Protokoll
Nora Bossong, geboren 1982 in Bremen, studierte zunächst am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, seit 2004 Kulturwissenschaften in Berlin und Potsdam, erhielt für ihren Debüt-Roman „Gegend“ (2006) das Leipziger Literaturstipendium und den Jürgen-Ponto-Preis, veröffentlichte 2007 den Gedichtband „Reglose Jagd“, lebt in Berlin.
Zum Buch:
Der Diplomat Konrad Weber, unter Hitler Vizekonsul in Mailand, hat verfolgten Juden mit gefälschten Pässen zur Flucht in die Schweiz verholfen, jedoch aus zwielichtigen Motiven: weil er Geld braucht und vor seinem mißtrauischen Vorgesetzen alte Veruntreuungen vertuschen muß - ein Leben zwischen Regimetreue und Gewissen, recherchiert von einer kriminalistisch engagierten Ich-Erzählerin.
















